Interview mit Sebastian Kurz, Staatssekretär für Integration

19 10 2011
Sebastian Kurz

Sebastian Kurz

Sebastian Kurz wurde am 21. April 2011 zum neuen Staatssekretär für Integration bestellt. Für Staatssekretär Kurz beginnt Integrationspolitik dann, wenn sich jemand legal in Österreich aufhält und mittel- oder langfristig hier bleiben will. Damit ist seine Aufgabe klar von den Bereichen Asyl und Zuwanderung innerhalb der Agenden des Bundesministeriums für Inneres abgegrenzt. 

 Sehr geehrte Herr Staatssekretär, was sind neben dem Beherrschen der Sprache und dem Erbringen einer Leistung für Sie die Voraussetzungen einer funktionierenden Integration?
Integration ist ein wechselseitiger Prozess, der von gegenseitiger Wertschätzung und Respekt geprägt ist, wobei klare Regeln den gesellschaftlichen Zusammenhalt und den sozialen Frieden sichern. Dieser Prozess braucht sowohl Anstrengungen der zugewanderten als auch der aufnehmenden Bevölkerung – dabei müssen wir Sorgen und Ängste der Mehrheitsbevölkerung müssen ebenso berücksichtigt werden wie die Bedürfnisse und Anliegen der Bevölkerung mit Migrationshintergrund. Besonders wichtig ist mir aber auch die Akzeptanz unserer demokratischen Werte und Rechtsordnung.

Positive Beurteilung des Aufnahmelandes in Bezug auf Bildungs-– und Aufstiegschancen, Sozialleistungen, intakte Umwelt, Sicherheitsstandards und Demokratie sowie Arbeitsmöglichkeiten, seien positive Merkmale für Österreich als Migrationsland, heißt es in einer zwischen 2008 und 2009 durchgeführten Integrationsstudie des Innenministeriums. Wie sehen die Erfahrungen seit damals aus? Was hat sich in den letzten zwei bis drei Jahren verändert? 
Österreich ist die erfolgreiche Integration von Migrantinnen und Migranten zum Wohle der gesamten Gesellschaft ein zentrales Anliegen. Aufbauend auf den geleisteten Vorarbeiten und in Zusammenarbeit mit allen beteiligten Ressorts, den Ländern und Gemeinden und anderen zuständigen Institutionen wurde der Nationale Aktionsplan für Integration erarbeitet, der die österreichweite Zusammenarbeit für erfolgreiche Integrationsmaßnahmen strukturiert. Diesen Aktionsplan sehe ich als Rahmen für einen nachhaltigen Prozess, in dem gemeinsam auf laufend neue Herausforderungen reagiert wird. Wir können dabei nur gewinnen, denn: Die erfolgreiche Integration von Migrantinnen und Migranten ist ein Schlüsselfaktor für die Festigung des sozialen Friedens und des Wohlstandes. 

Sprache und Bildung stellen für Sie die Grundvoraussetzungen für eine funktionierende Integration dar.  Wie sieht die Umsetzung, vor allem im Bereich des Schulsystems, aber auch für ältere Generationen aus?
Ich habe in meinem Staatssekretariat außerdem drei Integrationsschwerpunkte fixiert. Es handelt sich dabei um „Deutsch“, „Arbeitsmarkt“ sowie „Kinder und Jugendliche“. In diesem Zusammenhang haben wir im Staatssekretariat für Herbst eine neue Initiative geplant – die Mitte Oktober startet. Gemeinsam mit 100 „Integrationsbotschaftern“ gehen wir in Schulen in ganz Österreich. Die Integrationsbotschafter sind Österreicher mit Migrationshintergrund, die ein erfolgreiches Leben in Österreich aufgebaut haben. An den Schulen halten  die Botschafter Vorträge und sollen mit ihren Erfahrungen und Lebenswegen bei den jungen Menschen Motivation schaffen und Vorurteile abbauen. Ziel dieser Initiative ist es, bei Inländern Vorurteile abzubauen und Jugendlichen mit Migrationshintergrund positive Beispiele zu zeigen.
Besonders wichtig ist mir bei Integration die Förderung der deutschen Sprache.  Wenn man beachtet, dass jedes zehnte fünfjährige Kind mit Deutsch als Muttersprache Sprachprobleme hat und diese Defizite bei Kindern mit Migrationshintergrund sogar bei 60 Prozent liegen, dann wird einem bewusst, dass hier Handlungsbedarf besteht.  Deshalb habe ich mich auch aktuell eingesetzt, als die Sprachförderung gestrichen werden sollte. Nach Verhandlungen mit Finanzministerin Maria Fekter sind die fünf Millionen Euro, die bisher pro Jahr für Sprachförderungsprogramme investier wurden, gesichert. 

Wenn Leistung als neues Kriterium für eine gelungene Integration zählt, woran ist diese messbar?
Messbar ist sie, wenn Integration funktioniert. Jeder und jede, die im Berufsleben steht, eine Schule besucht oder in einem Verein tätig ist, lebt mitten in der Gesellschaft, leistet seinen Beitrag und ist in Kontakt mit unterschiedlichen Menschen – das Leben in einer Parallelgesellschaft kann so verhindert werden. Ziel muss sein, dass alle, die in Österreich leben, eigenverantwortlich und selbstständig  leben zu können.


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