Nicht Gräben, sondern Brücken bauen

29 09 2011
Franz Küberl

Franz Küberl

Man muss aufpassen. Wenn wir von Fremdheit reden, dann darf man dabei nicht nur an MigrantInnen denken. Fremd können sich viele Menschen fühlen – auf der einen Seite natürlich Menschen mit Migrationshintergrund – also AsylwerberInnen, Konventionsflüchtlinge; subsidiär Schutzberechtigte; Personen, die einen Aufenthaltstitel aus humanitären Gründen bekommen haben; Personen, die über die Familienzusammenführung in die Steiermark gekommen sind; StudentInnen; Personen aus neuen EU-Ländern wie etwa Polen, Tschechien, Bulgarien oder Rumänien sowie neue StaatsbürgerInnen mit Migrationshintergrund. Für sie alle sollen vernünftige Perspektiven entstehen können – neue Perspektiven, die umgekehrt auch jene SteirerInnen brauchen, denen das, was sie Heimat nennen, fremd geworden ist. Denn fremd fühlen sich viele, denen die eigene Kultur Unbehagen macht, weil sie keine Möglichkeit mehr sehen, Behaglichkeit zu erleben.

Es wird sehr viel über Integration geredet, aber oft wird das Thema politisch überspannt. Es fehlt das Augenmaß dafür, was möglich ist und was eben nicht. Was man den Menschen, die sich integrieren wollen zumuten kann und was eben nicht. Umgekehrt müssen wir wohl akzeptieren, dass es das Phänomen der „überforderten Nachbarn“ gibt. Doch die Gründe für die Überforderung liegen oft sehr tief – auf beiden Seiten.

Daher wird eine gute Integrationspolitik dann erfolgreich sein, wenn sie beide Seiten nicht im Stich lässt: die Steirer und Steirerinnen nicht, genauso wie die MigrantInnen nicht. Dafür müssen nicht Gräben, sondern Brücken gebaut werden.

Damit aus den Zugewanderten gleichberechtigte Mitbürger und Mitbürgerinnen werden, müssen gesamtgesellschaftliche Strukturen sowie das Selbstverständnis verändert werden. Einwanderung ist als gesellschaftliche Realität anzuerkennen. Die interkulturelle Öffnung der Aufnahmegesellschaft ist der erste Schritt, dass Menschen sich integrieren können.

Integration muss also immer eine doppelte Dimension haben. Integration ist jedoch kein Honiglecken, sie ist harte Arbeit, ein Aufeinander-Zugehen, ein Über-den-Schatten-Springen, sie ist ein Sorgsam-Sein für das Gegenüber im gemeinsamen Interesse.

 Franz Küberl
Caritasdirektor


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