Wer gehört zu unserer Gesellschaft und wer nicht?

15 09 2011
Astrid Kury

Astrid Kury

Der Politikwissenschafter Colin Crouch bemerkt treffend, dass sich die Menschen für die unerwünschten Folgen der Globalisierung an den Minderheiten im eigenen Land rächen. Er benennt damit klar, dass wir uns mit den nicht umkehrbaren, rasanten Veränderungen unserer Alltagswelt anfreunden müssen. Die Frage, wer gehört zu unserer Gesellschaft und wer nicht, ist eigenartig. Denn wenn wir über das Fremde reden, können wir ja auch selbst nur schwer formulieren, was denn die österreichische Kultur definitiv kennzeichnet. Kulturelle Identitäten sind immer im Wandel, verändern sich im Fluss des Lebens.

Multikulturalismus als das Nebeneinanderleben verschiedener Kulturen sollte daher nicht mehr das gesellschaftspolitische Ziel sein. Denn es würde heißen, dass alle Menschen auf ihre ethnische und kulturelle Herkunft verpflichtet werden, um die jeweilige Kulturtradition zu bewahren – die türkische ebenso wie die österreichische zum Beispiel. Was im Gegenzug die Attraktivität der Metropolen New York, London oder Berlin ausmacht, ist, dass im Zusammenleben verschiedener Kulturen ein Prozess der Kreolisierung und Vermischung von kulturellen Elementen stattfindet, der die Grenzen des Denkens erweitert und Platz für Neues schafft.

Neugierde an kulturellem Austausch und Respekt vor der Differenz sind die wesentlichen Tugenden, die die Akademie Graz mit ihren Programmen zum Ausdruck bringen möchte. Neben dem zweijährlichen Festival ROMALE! ist das aktuell zum Beispiel die Ausstellung „Sprachenlandschaft Graz – eine Stadt spricht 150 Sprachen“, die am 26.09.2011 im Stadtmuseum Graz eröffnet wird. Wie Peter Weibel zu dieser Ausstellung sagt, gilt es nun den neuen Turm zu Babel zu bauen und die positive Utopie der kulturellen Vielfalt und Mehrsprachigkeit Wirklichkeit werden zu lassen, anstelle der negativen Utopie der Monokultur – „denn Vielfalt ist ein revolutionärer Vorteil und wird nicht bestraft, wie die Babel-Legende behauptet, sondern belohnt. Die Erde ist das Haus der Vielen und der Vielfalt.“

 Astrid Kury ist die Präsidentin der Akademie Graz


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